Fast die Hälfte der Mieterhaushalte in Hessen hat Anspruch auf eine Sozialwohnung – öffentliches Wohnungsbauprogramm überfällig

09.11.2021

Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag (‚Aktuelle Entwicklung der sozialen Wohnraumförderung in Hessen‘) erklärt Jan Schalauske, Vorsitzender und wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Ende 2020 gab es in Hessen noch 79.720 Wohnungen mit einer Mietpreis- und Belegungsbindung. Das ist ein neuer Negativrekord. Wie groß der reale Bedarf an gefördertem Wohnraum tatsächlich ist, legt unsere Kleine Anfrage erstmals offen. Demnach haben laut einer im Auftrag des Landes erstellten Studie des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt nicht weniger als 44,5 Prozent – also fast die Hälfte – aller hessischen Mieterhaushalte auf Basis ihres Einkommens Anspruch auf eine Sozialwohnung nach dem 1. Förderweg. Das sind über 750.000 Haushalte oder beinahe das zehnfache des aktuellen Bestandes aller geförderten Wohnungen.

Nimmt man den 2. Förderweg für Haushalte mit mittlerem Einkommen hinzu, liegt der Anteil der anspruchsberechtigten Mieterhaushalte laut Studie sogar bei 53,7 Prozent. Der reale Bedarf an mehr sozialem Wohnungsbau ist also gigantisch. Schwarzgrün wird dieser Herausforderung in keiner Weise gerecht.“

Die Kleine Anfrage zeige, dass es überwiegend kommunale, öffentliche und genossenschaftliche - d.h. nicht profitorientierte – Wohnungsunternehmen seien, die geförderten Wohnraum zur Verfügung stellten, so Schalauske.

„Für eine echte Trendwende brauchen wir endlich ein umfangreiches öffentliches Wohnungsbauprogramm zugunsten nicht-profitorientierter Wohnungsunternehmen, für 10.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr – barrierefrei, klimaneutral und dauerhaft sozial gebunden. Das wäre eine soziale Wohnungspolitik, die ihren Namen verdient.“